Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

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Hannes Jaenicke: Mein Alta Badia

Es war Sommer, und ich war 15.... So beginnen viele Liebesgeschichten, auch diese hier. Allerdings ging es damals nicht um eine junge Dame, sondern um eine spektakuläre Berglandschaft: Alta Badia in den Dolomiten. Aus einem Sommerurlaub mit der Familie im Jahr 1975 ist eine fröhliche Langzeit- Beziehung geworden.
„Was Alta Badia so einzigartig macht, ist die Mischung aus italienischer Leichtigkeit und alpiner Bodenständigkeit.“
Mindestens einmal pro Jahr verbringe ich ein paar Tage in diesem Tal im Ladinischen Teil Südtirols. Als begeisterter Skifahrer komme ich meist im Winter hierher, aber auch Frühjahr und Spätsommer haben ihre Reize. In der Hochsaison ist es mir persönlich zu überlaufen. Aber grundsätzlich muss ich sagen, dass Alta Badia einen moderaten und gesunden Weg gewählt hat, die Natur nicht völlig vom Massen- Tourismus vereinnahmen zu lassen. Die Menschen in Alta Badia lieben ihre Heimat und haben einen Ausverkauf zugunsten schneller Geschäftemacherei nicht zugelassen.
Alta Badia, auch unter dem Namen Gadertal ein Begriff, vereint sechs Orte, von denen Corvara und La Villa am bekanntesten sind. Soviel man auch in der Welt herumreisen mag, es gibt kaum spektakulärere und faszinierendere Berglandschaften als Alta Badia. Zerklüftete Felsformationen, die wie Kathedralen aussehen, Zacken, Türme und majestätische Gipfel, die im Schein der untergehenden Sonne in allen Gelb- bis Rottönen glühen. Auf Ladinisch – übrigens immer noch Hauptsprache in Alta Badia – gibt es für dieses Schauspiel einen schönen Namen: Enrosadira. Das Alpenglühen ist also keine Erfindung des Musikantenstadls. Und kein Wunder, dass die Dolomiten seit einigen Jahren Unesco Weltnaturerbe sind.
Was Alta Badia so einzigartig macht, ist die Mischung aus italienischer Leichtigkeit und alpiner Bodenständigkeit. Diese Kombination macht sich auch in der Küche gut. Die Dichte an hervorragenden Restaurants ist beeindruckend. Pasta, Fisch und Meeresfrüchte sind ebenso selbstverständlich wie deftige Schlutzkrapfen, Spinatnocken und Gerstensuppe. Selbst als Vegetarier kommt man hier auf seine Kosten. Außerdem stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis. Auf welcher Berghütte in Österreich oder in der Schweiz bekommt man für acht Euro eine Pasta zum Niederknien? Selbst auf den abgelegensten Hütten wird fantastisch gekocht. Das Après-Ski-Leben in Alta Badia ist fröhlich, aber dezent, und verkommt nie zum – wie ich es nenne – Alpen-Ballermann.
Im Laufe der Jahre habe ich viele Menschen in dieser Region kennen und schätzen gelernt. Zu meinen Bekannten gehört Norbert Niederkofler, einer der besten Köche Italiens. Ein Dinner im Hotel Rosa Alpina in San Kassian ist immer wieder eine Freude. Auch die Besitzerfamilie des Hotel La Majun in La Villa besuche ich regelmäßig. Und neben Weinen und Küche im Hotel La Perla in Corvara verbindet mich das soziale und Umwelt- Engagement mit der Familie Costa, den Inhabern des Hotels. Die Costa Family Foundation unterstützt großartige Hilfsprojekte in Tibet und Uganda, außerdem ist Hotelier Michil Costa ein echter Querdenker, was touristischen Weitblick, Nachhaltigkeits- und Umweltbewusstsein betrifft. All diese Menschen haben Alta Badia geprägt und zu einem besonderen Platz gemacht, an dem ich mich seit meinen Teenagerjahren immer zuhause gefühlt habe.

Hannes Jaenicke