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29 September 2020

Es wird Zeit, dass wir unser Bel Paese zu schätzen lernen (Teil 4)

Olivo Barbieri, Las Vegas

All diese Schönheit, an der wir uns so ungemein berauschen können, macht mir letztlich aber auch ein bisschen Angst. Wegen dieser Menge geht Rom dann nämlich vor die Hunde. Wer so viel hat, erlaubt sich Arroganz. Während es in Brüssel ein Bike-Sharing gibt, das die erste halbe Stunde nichts kostet, wurden die Leihbikes in Rom alle geklaut. Die Gäste fahren dann vielleicht lieber nach Amsterdam, wo man in Sachen Fahrrad einfach mit der Zeit geht. In China haben sie ein zweites Hallstatt errichtet, in Las Vegas den Markusplatz, und eigentlich könnten wir doch mal die Japaner fragen, ob sie nicht Lust haben, Siena in Tokyo nachzubauen. Vielleicht könnten wir sie dadurch ja motivieren, unsere Städte zu besuchen. Aber dann müssten wir uns auf unsere Gäste auch richtig vorbereiten. Verstehen, wer sie sind. Sie auch dazu erziehen, nicht in Strandhosen und Badeschuhen durch unsere Altstädte zu schlappen. Ihnen keinen Take-away-Cappuccino zu verkaufen, denn auch Gäste wollen erzogen sein. Gleichzeitig müssten wir nicht eigenes ein Bespaßungsprogramm erfinden, denn es ist ja schon alles da. Wir sind das Resümee von 2000 Jahren Geschichte, die wertgeschätzt, richtig kommuniziert und noch viel besser gemanagt werden muss. Es ist eine Frage der Erziehung und der Selbsterziehung zu einem Bewusstsein für diese Grande Bellezza, die ein Gemeingut ist. Es beginnt alles bei uns selbst, bei den Bürgern. Alsdenn, krempeln wir die Ärmel hoch und geben wir unserem Land den Tourismus, den es verdient:

„Willkommen in Italien, willkommen im Bel Paese!“

Michil Costa (Gedanken auf der Basis des Buches Rifondare l’Italia sulla bellezza von Emilio Casalini)