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17 September 2020

Es ist Zeit, dass wir unser Bel Paese zu schätzen lernen (Teil 2)

Parco Archeologico von Pompei

Der große Shakespeare hat Verona gewählt, um dort das tragische Schicksal von Romeo und Julia spielen zu lassen. Der ebenfalls sehr große Goethe hat Italien drei Bände seiner persönlichen Grand Tour gewidmet. Bei seiner Reise durch Italien stellte er fest, dass Schönheit überall ein gar willkommener Gast sei. Allerdings sparte er auch nicht mit Kritik angesichts von Schmutz und Müll in allen Ecken und Enden. Wir selbst können mit Leonardo da Vinci zur Hochkultur beitragen, mit dem großen Dichter Dante. Auch mit Pinocchio, der in der ganzen Welt bekannt ist, viel bekannter als der ihm gewidmete Park in der Toskana. In England steht der Glastonbury Tor, wir haben Pompeji. Wir haben den Lago Maggiore mit den Borromäischen Inseln, wir haben Capri, den Gargano und Sizilien, immer wieder Sizilien. Die Touristen bezahlen, um sich hier die Augen zu reiben oder um sich zu erholen. Nicht alle Menschen reisen, um sich zu amüsieren. Es gibt auch Touristen, die voller Neugier stecken und endlich einmal die berühmten Tomaten von Pachino probieren wollen, und zwar in Pachino selbst. Oder den piemontesischen Castelmagno, einen der besten Käse der Welt. Während allerdings der französische Louvre modern und international mit den USA und den Vereinten Arabischen Emiraten kooperiert, wird der italienische Kulturschatz derart vernachlässigt, dass man etwa den Verhüllten Leichnam Christi in Neapel, die großartige Barockskulptur des Bildhauers Sanmartino, nur findet, wenn man ihn wirklich sucht. Auch die wundbaren Goldschmiedearbeiten der Magna Grecia in Taranto sind nicht so ausgestellt, wie sie es verdienten. Oder die Bronzestatuen von Riace in Reggio Calabria. Dafür werden die herrlichen archäologischen Stätten im sizilianischen Tal der Tempel bei Agrigento von illegal errichten Siedlungen bedrängt, weil sich hier jeder ungestört sein Häuschen bauen konnte, wo er gerade Lust hatte.

Die Touristen sind nicht nur Kundschaft, denen man das Geld aus der Tasche zieht. Sie zahlen nicht, um reingelegt zu werden. Oder um in italienischen Städten auf Zebrastreifen umgemäht zu werden, nur weil dort Fußgänger nicht respektiert werden. Sie bezahlen nicht, um an Küsten zu landen, die von monströser Bauspekulation ruiniert worden sind. Wir haben zwar viel Schönheit in unserem Bel Paese, gleichzeitig breiten sich aber immer mehr auch Trostlosigkeit und Vernachlässigung aus. Die vielen Beispiele von Kulturlosigkeit machen die Menschen schlechter. Leider gewöhnt man sich an Hässlichkeit. Italien ist das größte Museum der Welt, und die Touristen bezahlen, um sich einen Wunsch zu erfüllen, um entspannt durch die kunsthistorisch schönsten Städte der Welt zu bummeln, um Kirchen und Museen zu besichtigen, die geöffnet und in Schuss gehalten sind, um sich an Wegweisern zu orientieren, die irgendjemand mit Sinn und Verstand aufgestellt hat. Wofür sie nicht bezahlen wollen, sind vollgemüllte, schmutzige Bürgersteige und Zigarettenstummel, die die Einheimischen fröhlich aus den Autofenstern werfen, wofür sie in Singapur übrigens fast schon ausgepeitscht würden. Um zu retten, was noch zu retten ist, bräuchte es eine friedliche und kreative Kulturrevolution. Und die beginnt mit den guten Manieren: Erst wenn wir unsere Mitmenschen gut behandeln, können wir hoffen, auch die Dinge gut zu behandeln, mit denen uns ein wohlgesonnenes Schicksal so großzügig und unverdientermaßen versorgt hat. An die Stelle von Arroganz, Vulgarität, Verachtung, Egoismus und der Kultur von Verantwortungslosigkeit und schnödem Mammon wären Meritokratie, Sensibilität, Wissen und ein positiver Geist gefragt. Dann würden wir alle ein bisschen glücklicher und zufriedener leben, umgeben von unserem unschätzbaren Welterbe der Schönheit.

Michil Costa (Gedanken auf der Basis des Buches Rifondare l’Italia sulla bellezza von Emilio Casalini)