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13 Oktober 2020

Tourismusgedanken

Hubert Kostner, Lost and Found

Als Touristikunternehmen müssen wir unsere Räume bequem nutzbar machen. Das ist richtig. Es stimmt aber auch, dass wir in der Natur da draußen, in der schließlich der wahre Grund für unsere Attraktivität zu suchen ist und wegen der wir überhaupt Gäste haben können, dass wir diesen alpinen Raum so unversehrt und unberührt wie möglich lassen und daher kategorisch jeder exzessiven Spekulation entgegentreten müssen. Dass in solchen Fällen das Schöne dem Zweck geopfert werden muss, kann ich nicht akzeptieren. Das Argument, dass die Natur leicht erlebbar sein müsse, promotet erstens nicht anderes als die Kitschversion von Naturnähe und ist zweitens bloß ein Vorwand, um spekulieren, abholzen, graben und bauen zu können. Und so weiter.

Monoprodukte funktionieren auf dem großen Markt, daher müssen wir uns darauf verständigen, was es bedeutet, die Dolomiten zu verkaufen. Und wie wir sie verkaufen wollen. Sind die Dolomiten ein Monoprodukt? Haben wir es mit einem großen Markt zu tun? Und wollen wir Touristikunternehmen wirklich alles und jeden mitnehmen oder wollen wir auf auf eine ganz bestimmte Zielgruppe unter den Gästen spezialisieren? Wir sollten uns davor hüten, unser Habitat in gesetzlose Territorien zu verwandeln, in denen alles erlaubt ist. Wir dürfen und können nicht mit Sharm El Sheik und der Indoor-Skipiste von Dubai konkurrieren. Unsere Stärke liegt in der Schönheit, die wir zu bieten haben. Wenn wir nicht das in die Waagschale werfen, was uns von anderen unterscheidet, verflüchtigen wir uns im Massengeschmack, in der Banalität. Unsere Rettung auf langer Sicht liegt in dem, was uns von anderen unterschiedet. Doch um dieses „Andere“ zu kultivieren, müssen wir sensibel sein, müssen in der Lage sein, Visionen zu entwickeln und dürfen uns nicht mit flüchtigem und oberflächlichem Erfolg begnügen. Die Dolomiten in einen Fun-Park mit angeschlossener Shopping-Mall zu verwandeln, ist der falsche Weg. Ein Weg, der uns innerhalb weniger Jahrzehnte an einen Punkt bringen wird, an dem wir bitter bereuen, ihn eingeschlagen zu haben.

Michil Costa