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17 Oktober 2020

Der Dolomiten-Dom

Im Jahr 1957 schrieb die Mailänder Kunstgalerie Apollinaire einen Wettbewerb aus, der sich nicht an professionelle Kunstmaler richtete, sondern an Literaten mit einem Hang zur darstellenden Kunst. Ziel war, zahlreiche Werke zusammenzubekommen und sie in einer Ausstellung zu zeigen. Leider nahmen nur drei große Dichter und Schriftsteller die Herausforderung an: der Nobelpreisträger Eugenio Montale, der Reporter Orio Vergani und der Surrealist Dino Buzzati. Eine Ausstellung kam daher nie zustande. Das hinderte Buzzati aber nicht daran, ein echtes Meisterwerk zu produzieren, nämlich den berühmten Dom von Mailand in Dolomitenform. Die Marmorfassade der Kathedrale, seine Fialen, die gotischen Fenster verwandeln sich in die Felswände, Zinnen und Höhlen eines Berges, und auch die Nachbarhäuser entwickeln sämtliche Eigenschaften einer Felslandschaft. Denn so stellt sich der Bergsteiger Buzzati den Mailänder Domplatz vor: al einen Raum in großer Höhe, der sich einen Ort irgendwo zwischen magischer Wirklichkeit und Surrealität transformiert.