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Sonntag
18 Oktober 2020

Äpfel der Zwietracht

Ein echter Zankapfel sind bekanntlich all die Pestizide, die mit großer Nonchalance in der Landwirtschaft verwendet werden, um die Produktion in den Monokulturen zu steigern. Auf der einen Seite der Diskussion stehen die Interessen des wichtigen Landwirtschaftssektors, der mit der Apfelproduktion allein in Südtirol auf die bemerkenswerte Zahl von 9.107.670 Doppelzentnern kommt (Daten von 2017). Um solche Ergebnisse zu erzielen, werden in Südtirol im Verhältnis zum Landesdurchschnitt doppelt so viel Pestizide eingesetzt. Auf der anderen Seite wiederum wiederholen ernstzunehmende Stimmen unter Verweis auf entsprechende Daten hartnäckig, wie schädlich für die Gemeinschaft und die unmittelbare Umwelt der Missbrauch derartiger Substanzen ist.
Abgesehen von den Beschwerden von Aktivisten, Assessoren, Landwirten und Unternehmen, die die Seiten der Zeitungen füllen und die sozialen Medien fluten, möchten wir uns einen Aspekt näher anschauen. Die Überlegung betrifft das, was die Konsumenten beim Kauf eines Produktes erwarten. Ob es sich nun um einen Apfel oder irgendein anderes Konsumgut handelt, in einem Wirtschaftsmodell, in dem der Konsument kritiklos und ohne Bewusstsein agiert, dreht sich alles nur um Schönheit und Menge. Zwar gibt es mittlerweile auch viele Bauernmärkte und Bio-Läden, die auch oft viele Kunden haben. Doch trotzdem sind bis heute die großen Supermarktketten die Orte, an denen sich die Menschen hauptsächlich mit Lebensmitteln versorgen. In deren Obstabteilung bieten sie genau das an, was wir verlangen: große, runde, bunte Äpfel ohne Flecken und andere Makel. Wenn wir die Dinge ändern wollen, müssen wir bei unserem Verhalten als Konsumenten ansetzen. Denn wenn der Konsument andersgeartete Produkte verlangt und erwartet, dann fühlt sich der Landwirt viel stärker motiviert, seine Produktionsmethoden zu ändern.