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16 Mai 2020

Haus-Putten

Ob als Kobolde, Amoretten oder Cherubine: Die aus der römischen Antike stammenden Putten waren weit verbreitet, speziell von Beginn der Renaissance an. Richtig populär wurden sie im 17. und 18. Jahrhundert in dekorativer, aber auch allegorischer Funktion und zwar sowohl in der kirchlichen wie in der weltlichen Kunst. Putten stellen die kindliche Form des Eros dar, des Liebesgottes, und auch in unserem Haus kann man hier und dort einem begegnen. Meist hängt er an einem seidenen Faden, so fein wie der, der die Liebe am Leben hält. Hinter unseren Haus-Putten steckt natürlich Ernesto, der ja offenbar nichts anderes tat, als überall nach derartigen Lebensfragmenten zu suchen und sie mit beneidenswertiger Sorglosigkeit irgendwo im Hause aufzuhängen. Unser schwebender Putto hier ist natürlich nichts anderes als eine Einladung an die Liebe, auch wenn die Liebe gewisse Erschütterungen hervorrufen kann, wie schon der alte Shakespeare wusste, der dazu folgendes Gedicht an seine Geliebte verfasste:

Vergiss die Hand, die diese Zeilen schrieb;

Betrüben möchte dich mein Angedenken.

Vergiss mich ganz. Ich habe dich zu lieb,

auch durch Erinnerung nur dich einst zu kränken.