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23 Mai 2020

Eine Größe, die mit der Zeit geht

Eines vorneweg: Der Martini Cocktail ist kein Cocktail. Das mag sich blasphemisch anhören, doch es ist die Wahrheit. Der Martini Cocktail ist vielmehr eine Größe, die mit der Zeit geht und sich ständig weiterentwickelt. Ganz so, als ob seine Existenz mit dem Pulsschlag des Lebens fest verwoben wäre. Der Martini ist etwas, das der Barkeeper mit den Jahren lernt, indem er mit Demut und Diskretion den Vorlieben der Gäste folgt. Er ist auch so etwas wie ein Geisteszustand. Wie jede Legende hat auch er seine Geheimnisse. Er hat eine Reihe nicht immer orthodoxer Variationen, so wie die, die der Feder von Jan Fleming entsprungen ist und das Lieblingsrezept von Bond, James Bond beschreibt. Aber nachdem es sich eben um Bond, James Bond handelt, hat niemand etwas gegen das Verschütteln von Wodka mit Gin einzuwenden gehabt. Auch die von Hemingway geliebte Martini-Version, erztrocken wie ein Gewehrschuss, entstand aus einem Wunsch, einem Bedürfnis, einem Gelüst heraus, das die geschriebenen Regeln sprengt. Weshalb wir den größten Roman des Autors jetzt so zitieren könnten: Farewell to Vermouth. Abgesehen davon, sollte ein ordentlicher Barkeeper beim Mixen seiner Martinis vor allem die Wünsche des Gasts erfüllen und entsprechend Technik, Zutaten und Dosierung so variieren, wie es dem Gast zusagt: mehr oder weniger kalt, mit Limette, Bitter Orange, was auch immer. Und wenn mir ein Gast sagt „Mixen Sie ihn mir ganz, wie Sie wollen“? Dann gebe ich immer ein paar Tropfen China Martini oder einen anderen mit Chininrinde angereicherten, bitteren Kräuterlikör dazu. Probieren Sie doch mal! Ich freue mich, Sie in der Bar des Bistrots zu sehen. Am besten natürlich zu einem Martini, über dem wir stundenlang reden könnten – über Martinis!

Stefano, Bar-Chef im Bistrot