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09 Mai 2020

Ein anderer Giro

Heute hätte der Giro d’Italia begonnen. Mit Start in Budapest und Ziel in Mailand. Die 103. Auflage des größten italienischen Radrennens. Noch wissen wir nicht, ob das Rennen ganz abgesagt oder nur auf Ende Oktober verschoben wird. Was wir wissen, ist dass in dem Moment, in dem der Giro wieder Fahrt aufnimmt, wir hier in Gedanken beim Giro d’Italia des Jahres 1946 sein werden. Denn der war ein ganz besonderes Rennen, das bedeutendste in seiner Geschichte. Es hatte die Aufgabe, Italien nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – dieses absurden Kriegs, den ein verblendetes, mörderisches Regime an der Seite der Nationalsozialisten führen wollte – wieder zu vereinen. Es gewann Gino Bartali, nur wenige Sekunden vor Fausto Coppi. Es war ein unvergessliches Rennen, ein Rennen, das nach Wiederaufbau schmeckte, das diesen Wiederaufbau um jeden Preis wollte. Ein Rennen, das die Trümmer, das Blut, die Gewalt, die Schande der Rassengesetze und 20 Jahre faschistischer Rechtlosigkeit vergessen machen wollte. Ein Rennen, das ein neues Italien in den Straßenstaub zeichnete, durch den Einsatz müder und unterernährter Fahrer, die mit allen anderen Italienern ein Ziel teilten: den Schmerz und die Angst abzuhängen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Der nächste Giro d’Italia wird ganz bestimmt kommen, das wissen wir. Und er wird das gleiche schaffen müssen. Denn der Radsport weiß, wie große Aufgaben aussehen.