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Montag
27 Januar 2020

Erinnerung bewahren

«Der Holocaust wurde innerhalb unserer rational denkenden, modernen Gesellschaft erdacht und umgesetzt, in einem fortgeschrittenen Stadium unserer Zivilisation und auf dem Gipfel des kulturellen Fortschritts des Menschen. Er ist deshalb ein Problem eben dieser Gesellschaft, dieser Zivilisation und dieser Kultur. Die Autoabsolution der historischen Erinnerung, welche im Bewusstsein der modernen Gesellschaft ihren Platz hat, ist daher mehr als eine beleidigende Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern des Genozids. Sie ist auch Zeichen einer gefährlichen und potentiell selbstmörderischen Blindheit.“

„Die Vergangenheit lebendig zu halten ist ein Ziel, dass man nur durch aktive Erinnerungsarbeit erreichen kann, die auswählt, umschreibt und aufarbeitet. Erinnern heißt die Vergangenheit interpretieren; oder besser, eine Geschichte zu erzähle. Erinnern bedeutet, Stellung zum Verlauf vergangener Geschehnisse zu beziehen.“

Diese beiden kurzen Zitate des polnisch-britischen Soziologen Zygmunt Bauman – das erste stammt aus „Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust“, das zweite aus der italienischen Ausgabe „L’ultima lezione“ – aus zwei Gründen ausgewählt: Zum einen möchten wir daran erinnern, dass es ohne Erinnerung keine Zukunft geben kann. Zweitens möchten wir an Bauman selbst erinnern, den großen Gelehrten, der vor drei Jahren gestorben ist. Heute ist der Tag der Erinnerung. Und wir erinnern uns.