Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

Januar 2017

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26 Januar 2017

Schneit es oder nicht?

Wir Bergführer sind schwer zufriedenzustellen. Entweder jammern wir über zu wenig Schnee, oder wir beschweren uns über zu viel Schnee, oder wir nörgeln über den falschen Schnee. Und doch lieben wir ihn einfach über alles.
Es gibt keinen guten Schnee. Und auch keinen schlechten. Nur gute und schlechte Skifahrer!
Wenn ich mich so umgucke in der Casa, kann ich sehen, wie alle eifrig bei der Arbeit sind – in der Küche, in der Halle, in der Bar und in den Fluren, einfach überall. Und wenn irgendwo ein Problem auftaucht, ist die Lösung nicht weit. In einem der Badezimmer tröpfelt der Wasserhahn? Der Installateur wird angerufen. Die Heizung im Frühstücksraum springt nicht an? Gleich kommt der Elektriker. Der Gepäckwagen quietscht? Hier, ein paar Tropfen aus dem Ölkännchen. Es will und will nicht schneien? Mmh. Wer hilft mir weiter? Wen rufe ich an? Dummerweise hat mir Petrus nie seine Handynummer gegeben. Und auch wenn ich jetzt mal ganz laut nach ihm rufe, wird er mich wohl nicht hören. Höchstens Artur würde mich hören (und mein Geschrei natürlich unerhört finden). Schnee, Schnee, Schnee! Diese weißen Flocken, die vom Himmel fallen, wann es ihnen beliebt. Für uns Bergführer ein echtes Problem. Wir sind ja ohnehin nicht leicht zufriedenzustellen: Wenn es nur wenig Schnee gibt, können wir nicht tiefschneefahren. Schneit es zu viel, haben wir das Problem mit den Lawinen. Und bei kräftigem Wind verwandelt sich der frisch gefallene Schnee in eine harte weiße Decke. Kurz und gut, man kann es uns einfach nicht recht machen. Doch dann kommt mir der berühmte Satz des ebenso berühmten Genfer Bergführers Andre Roch in den Sinn: „Es gibt keinen guten oder schlechten Schnee. Nur gute oder schlechte Skifahrer.“ Tja!
Doch dann fängt es auf einmal wirklich an zu schneien. Und sofort mache ich mit einigen Gästen eine Tour für den nächsten Tag aus – die berühmteste Tiefschneeabfahrt der Dolomiten, das Val Mesdì im Sellamassiv, das ich über alles liebe. Dazu fährt man erst von Corvara auf das Pordoijoch und dort mit der Seilbahn auf den gleichnamigen Gipfel. Von dort geht es mit den Skiern ein Stück leicht bergab und dann mit geschulterten Ski zur Boè-Hütte hoch. Hier fährt man durch einen steilen Kanal in ein herrliches, sechs Kilometer langes Hochtal hinein. Eine herrliche Abfahrt erwartet Skifahrer hier, zwischen Kurven, Felsen und großen Emotionen. Am Schluss kommt man bei Colfosco wieder heraus aus der Sella und fährt über Skipisten entspannt bis ins Hotel ab. Nicht schlecht, oder? Die gesamte Tour dauert ungefähr fünf Stunden, der Schwierigkeitsgrad ist mittel, und man kann die Tour mit ganz normalen Skiern fahren. Zurück im Hotel ist dann der Moment für ein wohlverdientes Gläschen gekommen, und meist dreht sich das Gespräch dann schnell um Tipps für die beste Ausrüstung und so. Wenn ich dann also gefragt werde, antworte ich gerne mit meiner in vielen Jahren gewonnenen Weisheit: „Skier sind wie Angelruten. Beide beugen sich den Naturkräften.“ Viel Spaß beim Skifahren!

Pippo