This is not a cliché.

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Dienstag,
23 April 2019

Kunst

In den Gängen der Casa passiert es häufig, dass man vor seltsamen Gegenständen stehenbleibt, die irgendwo angebracht sind, als wären sie Kunstwerke von Vertretern der sogenannten „Arte Povera“. Diese Künstler sind weltberühmt geworden, weil sie mit Materialien arbeiten, die direkt aus unserem Alltag stammten und sie daher in Widerstreit treten mit der traditionellen Kunst, deren Techniken und Materialien sie strikt ablehnten. Stattdessen griffen sie ganz bewusst zu schlichten Mitteln wie Erde, Holz, Eisen, Lumpen, Plastik, Industrieabfällen. Die Idee dahinter ist, die ursprünglichen Strukturen unserer zeitgenössischen Gesellschaft sichtbar zu machen, nachdem man die alten und konformistischen Gewohnheiten des Bürgertums abgekratzt hat. Ein schönes Beispiel für diesen Ansatz ist die „Lumpenvenus“ des italienischen Künstlers Pistoletto.
Was nun unser Schlüssel-Kunstwerk hier betrifft: Sie trägt die Handschrift von Ernesto, der bei seinen Ausflügen durch die ladinischen Täler diese alte Tür aufgestöbert hat. Sie gehörte zu einem alten Bauernhaus, das in eine Bar umgewandelt worden war. Ernesto hat die Tür dann gleich mitgenommen, bevor sie verbrannt oder weggeworfen werden konnte. Dann hat er sie bei uns in der Casa untergebracht. Und dort, wo sich einmal das Türglas befand, hat Ernesto all die alten Eisenschlüssel arrangiert, die er weiß Gott wo aufgetrieben hat. Ins Türschloss hat er dagegen einen echten Schlüssel unserer Casa gesteckt. Die Aufschrift „Bar“ wirkt im Kontrast dazu irgendwie schräg und surreal. Aber doch sehr authentisch. Einfach wunderbar!