This is not a cliché.

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Freitag,
13 September 2019

Sähen, Ernten und Bewundern

Wer im Gemüsegarten arbeitet, denkt in der Regel nicht daran, dass er gerade ein Kunstwerk kreiert. Aber tatsächlich entsteht mit den gleichmäßigen Reihen von Salatköpfen eine Art spontaner Kunst, die zwar nicht für sich beansprucht, eine Bedeutung oder Aussage zu haben, aber in der sich die Dinge einfach entwickeln. Wer im Gemüsegarten arbeitet, ahnt normalerweise nicht, dass er sich im Prinzip verhält wie die Konzeptkünstler Anfang der 1960er Jahre, für die nicht die Ästhetik Ziel und Zweck eines Werkes war, sondern der Gedanke dahinter. Sie interessierte die Bedeutung der Geste. Und das ist einiges. Wer im Gemüsegarten jähtet, denkt nicht daran, wie sich die Kunst entwickelt hat: Erst verzichtete man auf die Nachbildung der Wirklichkeit, dann auf die Perspektive, dann auf die Form und die Farbe. Irgendwann kommt man zu dem Punkt, an dem es eigentlich auch ohne das Kunstwerk geht. Was dann noch bleibt? Die Idee, die Überlegung, der Gedanke. Das Konzept. Wer im Gemüsegarten harkt, ahnt aber vielleicht, dass das mit Steinchen getüpfelte Schwarz der Erde (wie es übrigens Fontana gefallen hätte) einen smaragdgrünen Überfluss stützt, der, sobald er geernet, geputzt und serviert ist, Glücksgefühle von absoluter Frische beschert. Daher, liebe Gemüsegärtner und Konzeptkünstler, Kunst ist immer – im Guten wie im Bösen – reinster Genuss. Wir wünschen eine ertragreiche Ernte!

HEUTE ABEND IM BISTROT MUSIC CLUB:

Riglione & Giocondo Duo
Let's have some fun!