This is not a cliché.

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12
Donnerstag,
12 September 2019

In der Connaught Bar in London

Ein Frühlingstag in London. Ich bin mit Valentina unterwegs, die in der Stüa de Michil arbeitet, und mit Stefano, dem Leiter der Bar bei uns in der Casa. Über die Kontakte der Familie Costa haben wir heute die Gelegenheit, Agostino Perrone zu treffen, einen der angesehensten Barkeeper der Welt. Ich kann noch kaum glauben, dass wir den Tag heute mit ihm verbringen dürfen. Um ehrlich zu sein, bin ich sogar ziemlich aufgeregt. Schließlich stehe ich also vor der legendären Connaught Bar. Ich trete ein und kann endlich Agostino die Hand schütteln. Was für eine Überraschung: Seine freundliche Art, in die sich auch eine ganz offene Zugänglichkeit mischt, wirft mich völlig um. Klar, natürlich hilft es, wenn das La Perla den Kontakt vermittelt. Trotzdem ist es erstaunlich, mit welcher Unverkrampftheit und Demut Agostino seine Rolle als Star des internationalen Barkeepings lebt. So beginnt meine aufregende Entdeckungsreise durch einen extrem faszinierenden Ort in Begleitung eines Mannes, der in jede seiner Handlungen echte Leidenschaft steckt. Agostino zeigt mir den enormen Eisblock, den er und seine Mitarbeiter jeden Tag mit großer Meisterschaft bearbeiten. Er erzählt mir, wie alle Zutaten, die sie bei der Kreation ihrer Drinks verwenden, bis ins kleinste Detail durchdacht sind und im Hause zubereitet werden. Er spricht zu mir von Essenzen, Aromen, Kombinationen. Erzählt mir vom Negroni, der er zum 100jährigen Jubiläum dieses legendären Aperitifs (und zum 10jährigen Jubiläum des Connaught) kreiert hat. Und auf einmal stehen wir draußen auf der Straße und spazieren durch London wie uralte Freunde. Es stimmt schon, Bescheidenheit ist eine feine Sache. Es lebt sich einfach besser damit. Agostino erzählt mir, wie viel Spaß es ihm macht, den Guéridon, den Barwagen, durch die Räume des Connaughts zu schieben und den Negroni direkt vor den Augen der Gäste zuzubereiten. Übrigens mixt Agostino vier verschiedene Negroni-Varianten, jede mit einer anderen Essenz. Und während wir noch diskutieren, gesellen sich Valentina und Stefano wieder dazu. Agostino führt uns durch das Hotel, den Weinkeller und die zwei Bars und erzählt uns tausend Geschichten. Als die Stunde des Aperitifs naht, mixt ihn uns Agostino höchstpersönlich. Dazu bekommen wir Häppchen, und als ich genauer hinsehe, stelle ich fest, dass es nicht die gleichen sind, die die anderen Gäste serviert kriegen. Wir kriegen Extra-Service! Und als wir uns zum Zahlen an den Tresen stellen, überreicht uns ein aufmerksamer Mitarbeiter die Rechnung. Doch es stehen keine Zahlen darauf. Nur zwei Zeilen: Danke füre Ihren Besuch. Die Mitarbeiter der Connaught Bar. Und wissen Sie was? Diesen Stück Papier habe ich gerahmt, und es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen!

P.S. Dieser Besuch in London hat mir gezeigt, dass man mit Liebe, Leidenschaft und Demut im Leben Großes erreichen und viel Erfolg haben kann. Und da ich ehrgeizig bin, werde ich versuchen, jeden Tag das Maximale zu geben und immer besser zu werden. Noch einmal ein großes Dankeschön an die Familie Costa.


Antonio, Barkeeper