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Donnerstag
15 Oktober 2020

Fragen

Es ist schwierig, bei der Landnutzung in den Alpen klare Grenzen zu setzen. Hotels, Zweitwohnungen, Bergbahnen und Skigebiete, Energieversorgungssysteme, intensive landwirtschaftliche Nutzung sind tragende Säulen der Wirtschaft geworden. Die „traditionellen“ Methoden der Landnutzung im Alpenraum sind heute dagegen fast schon „folkloristische“ Aktivitäten, die es braucht, um dem „Produkt Berg“ die nötige Authentizität zu verleihen. Die jüngsten Umwelt- und Wirtschaftskrisen und zuletzt die Corona-Pandemie haben uns auf dramatisch eindeutige Weise vor Augen geführt, wie begrenzt die natürlichen Ressourcen sind. Wir stehen an einem Scheideweg, und es ist uns klar, dass sich etwas verändern muss. Die Alpen sind nicht mehr die Idylle, als die wir sie lange mystifiziert haben; sie weisen vielmehr sämtliche Merkmale eines komplexen Systems auf, in dem die Grenzen der sogenannten nachhaltigen Entwicklung bereits überschritten wurden. Ist es noch sinnvoll, auf einem Wintertourismusmodell zu beharren, das vor allem auf Skitourismus gründet? Ein Modell, das auf Infrastrukturen angewiesen ist, die wiederum auf einem umweltbelastenden technischen System aus Wasserversorgungsnetzen und Speicherbecken basieren, mit dem man »programmiert« Schnee produzieren kann? Welche Strategien muss man einsetzen, um den herrschenden Trend zum Kurztrip im Bergtourismus umzukehren, um zu vermitteln, dass der Gast notwendigerweise ein bisschen Zeit mitbringen muss, um einen Ort wirklich kennenzulernen und zu erfahren? Wie tief und weit darf man zugunsten eines Wirtschaftsmodells noch in die Landschaft eingreifen, damit sich die Bergbewohner nicht zur Abwanderung gezwungen sehen, sondern weiterhin das Gebiet erhalten und die Landschaft pflegen?

Alberto Winterle, Herausgeber von Turris Babel

TURRIS BABEL ist die Zeitschrift der Architekturstiftung Südtirol und das Ergebnis der leidenschaftlichen Zusammenarbeit junger Architekten im Rahmen eines freiwilligen Projekts. Die Redaktion hat sich das Ziel gesetzt, neues Interesse für die Architektur zu wecken. Und zwar nicht nur unter Fachleuten, sondern auch in der Bevölkerung. Sie will in ganz Südtirol und auch landesweit die Diskussion über die Architektur in Südtirol neu entfachen und die Kultur guter Planung weitertragen. Eine Planung, die sich auch ihrer sozio-ökonomischen und umwelttechnische Folgen bewusst ist.