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14 Oktober 2019

Schneewittchens Apfel

Andrea Tomasi, ein Journalist der Südtiroler Tageszeitung „L’Adige“, hat mit dem Videomaker Leonardo Fabbri einen äußerst interessanten Dokumentarfilm über Pestizide gemacht (Pesticidi – siamo alla frutta). Wir erfahren dort einiges: Zum Beispiel dass Bienen, die Pflanzen angeflogen haben, welche mit dem extrem starken Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat behandelt wurden, anschließend Herzprobleme bekommen und ihren Orientierungssinn verlieren, weshalb sie oft nicht in ihren Bienenstock zurückfinden und auf der Suche sterben. Diejenigen, die es nach Hause schaffen, liefern dort nicht nicht nur den kostbaren Blütennektar ab, sondern ebenso Bestandteile der Pestizide, die durch das Wachs in den Honig gelangen. Welchen wir zum Frühstück essen. Und das ist nur eine der vielen Informationen aus diesem Film. Auf der Basis von Zahlen und Statistiken erzählen die zwei Autoren die dramatische, aktuelle Situation der gesamtitalienischen Landwirtschaft heute und vom Zustand von Luft, Wasser und Erde, jenem System, in dem unsere Lebensmittel heranwachsen. Das Hauptaugenmerk des Films liegt natürlich auf den Äpfeln, denn die sind das am meisten angebaute Lebensmittel in der Region Trentino – Südtirol. Die alarmierendste Zahl dazu findet sich im Nationalen Bericht über Pestizide im Wasser 2018. Deren Konzentration ist dem Bericht zufolge im Trentino extrem hoch und nach Region Veneto die zweithöchste des ganzen Landes: Im Trentino wurden durchschnittlich 9,3 kg Pestizide pro Hektar genutzter landwirtschaftlicher Fläche nachgewiesen, während der landesweite Durchschnitt 4,9 kg/ha beträgt und Südtirol auf 4,4 kg/ha kommt. Schlimmer ist die Situation nur im Veneto, mit 11,7 kg Pestiziden pro Hektar genutzter landwirtschaftlicher Fläche. Es ist also durchaus legitim, beim Verzehr eines Apfels (und nicht nur eines Apfels) an Schneewittchen und seinen vergifteten Apfel zu denken. Noch legitimer wäre, endlich konkret etwas dagegen zu tun. Das Gift steckt längst in uns.