This is not a cliché.

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Donnerstag,
03 Oktober 2019

Giottos „O“

Die Geschichte von Giottos „O“ hängt eng mit Papst Bonifaz VIII. zusammen, der zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf der Suche nach einem Künstler war, den er mit dem Malen seines Portraits beauftragen konnte. Um den besten Meister zu finden, schickt er Gesandte durch ganz Italien. Der Maler Giotto war damals bereits mit dem Kruzifix in der Kirche Santa Maria di Novella in Florenz berühmt geworden. (Und wenn Sie dieses großartige Kunstwerk noch nie gesehen haben, sollten Sie das möglichst schnell nachholen!). Dieses Kruzifix jedenfalls bildete die Basis für die Entscheidung des Papstes für Giotto – zusammen mit einem einfachen Kreis. Und das kam so: Als sich Giotto mit dem Abgesandten des Papstes traf, malte der junge Künstler zum Beweis seines Könnens einen Kreis auf ein Stück Papier. Der Dialog zwischen den beiden verlief ähnlich simpel. So wie es auch dem Charakter Giottos entsprach, von dem es hieß, dass er sich nicht besonders raffiniert ausdrücken könne. Schließlich war er ja nur ein Hirtenjunge, zufällig entdeckt vom großen Maler Cimabue, der ein paar seiner Zeichnungen auf einem Felsen entdeckt hatte.
-Hier haben Sie mein bestes Bild!
-Es kann doch unmöglich sein, dass Sie mir nichts Besseres anbieten können. Wollen Sie mich für dumm verkaufen?
- Nein, mein Herr! Ich habe wirklich nichts Besseres für Sie. Es wird dem Papst gefallen.
Der auf Leinwand gemalte Kreis reiste also bis nach Rom, wo seine lässig hingeworfene, schlichte Form genügte, um Papst Bonifaz VIII. von den Qualitäten des Malers zu überzeugen. Der Papst besaß eben Vorstellungsvermögen.