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29 Oktober 2019

Eine Katastrophe namens Vaia

Am 29. Oktober vergangenen Jahres tobte ein furchtbarer Orkan, der auf den Namen Vaia getauft wurde, mit über 200 Stundenkilometern über mehr als 390 Kilometer Gebirgslandschaft und entwurzelte dabei mehr als 12 Millionen Pflanzen. Noch heute liegen der lombardische Teil des Veltlins und das friulanische Karnien sowie die Trentiner, Südtiroler und Venetischen Dolomiten teilweise unter 42 Millionen Tonnen an Baumstämmen und riesigen Wurzeln begraben, unter Felsbrocken und Erdmassen, welche die vom Wind erschlagenen Bäumen aus dem Erduntergrund gerissen haben. Diese Baumtrümmer wiegen Hunderte von Kilos, manchmal sogar Tonnen, und stellen eine konstante Gefahr für Waldarbeiter und Ortschaften dar sowie ein großes Hindernis für die Instandhaltung der Wanderwege. Wollte man warten, dass sie sich auf natürliche Art und Weise durch die „Arbeit“ von Tieren und Mikroorganismen zersetzten, würde das länger als 100 Jahre dauern. Um dieses gewaltige Problem zu lösen und die betroffenen Gebiete schneller wieder sicher zu machen, hat man sich daher für die Dynamit-Lösung entschieden. Mit gezielten Explosionen lassen sich gewaltige Baumtrümmer zerkleinern und schneller beseitigen. Gerade werden in einigen der am stärksten betroffenen Regionen Tests durchgeführt; bei positivem Ergebnis soll ein Aktionsplan für den gesamten Alpenraum erstellt werden. Das Projekt liegt in den Händen von Raffaele Cavalli, einem der größten Experten des Landes im Bereich Holz- und Waldwirtschaft sowie Direktor des Tesaf-Instituts an der Universität von Padua, und von Danilo Coppe, einem exzellenten Sprengungs-Ingenieur, der auch an der Sprengung der eingestürzten Morandi-Brücke in Genua beteiligt war. Im Falle unserer Wälder würde eine Reihe kleiner, schnell aufeinanderfolgender Sprengungen reichen, damit die Natur an den verwüsteten Berghängen die restliche Arbeit übernehmen kann. Und damit die Zersetzung von zehntausenden Baumstämmen beschleunigt würde, die zur Zeit noch Straßen und Ortschaften bedrohen oder die in den vom Orkan geschaffenen Lichtungen liegen, die sich in Viehweiden und Heuwiesen umwandeln ließen. Mit der Hilfe von Dynamit, versichern die beiden Experten, ließe sich in zwei Jahren erreichen, wofür die Natur alleine 100 Jahre bräuchte. Das wäre wirklich eine gute Nachricht!