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25 Mai 2020

Tò la nücia (die Brautentführung)

Hochzeit! Der große Tag kommt, und was passiert? Vor dem Altar gibt man sich das Jawort, man tauscht die Ringe und den Hochzeitskuss, man unterschreibt und macht schöne Fotos. Draußen vor der Kirche dann werfen Freunde und Verwandten mit Reis, großer Applaus und ab ins Restaurant zur großen Hochzeitsfeier. So ist es anderswo. Bei uns in Ladinien aber läuft es nicht so, denn wir veranstalten auch noch das Tò la nücia, die Brautentführung. Und die geht so: Nach dem Hochzeitsgottesdienst begeben sich das frischgebackene Brautpaar und seine Freunde in ein Wirtshaus. Dort wird der Bräutigam von seinen Freunden umringt, es wird angestoßen und getrunken, gelacht und gescherzt. Im allgemeinen Durcheinander gelingt es einer anderen Freundesgruppe, die Braut zu entführen – in ein anderes Wirtshaus. Und auch dort wird kräftig gefeiert. Sobald der Nüc (der Bräutigam) bemerkt, dass seine Braut verschwunden ist, bricht allgemeine Panik aus (na ja, so ganz unvorbereitet ist der Bräutigam angesichts dieser bekannten Tradition dann meist doch nicht): Was, wir sind erst seit einer Stunde verheiratet, und schon ist sie weg? Also macht er sich auf die Suche, unterstützt von seinen besten Freunden und den Trauzeugen. Und wenn er sie dann findet, heißt es: Hoch die Tassen! Und jetzt raten Sie mal, wer die Rechnung dann bezahlen muss?