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02 Mai 2020

I look at things with eyes different from yours

In diesen Tagen, in denen das Haus geschlossen ist – was es in dieser Jahreszeit auch ohne Covid-19 gewesen wäre – haben wir Zeit und Muße, uns ein wenig umzusehen und hie und da auch in die Welt der Phantasie einzutauchen. Denn was wäre das Leben schon ohne unsere Vorstellungskraft? Natürlich würden wir irgendwie vorankommen, aber wir wären blicklos und gefangen in unseren tristen Konsumzwängen. In diesen Tagen jedenfalls, in denen die Berge stiller sind als sonst, bekommen Begegnungen eine andere Tiefe. Heute haben wir im Geiste Shilpa Gupta besucht, einen indischen Künstler aus Mumbai, den wir bei der letzten Biennale von Venedig im Arsenale kennengelernt haben, nicht persönlich, aber durch zwei sehr interessante Arbeiten von ihm. Wir haben ein bisschen zu ihm nachgeforscht und ein Werk von ihm gefunden, das Sie auf dieser Seite sehen können. Der Titel sagt schon alles: I look at things with eyes different from yours. Guptas Augen sind anders, weil sie ohne Gleichgültigkeit auf die Dinge blicken. Sein Blick konzentriert sich auf die physische und ideologische Existenz der Grenzen und enthüllt dabei ihre willkürlichen und zugleich repressiven Funktionen. Seine Arbeit dreht sich um die Zwischenbereiche zwischen Staat und Nation, um ethnisch-religiöse Aufspaltungen, um Überwachungseinrichtungen, und sie verhandelt dabei Begriffe wie Legalität und Illegalität, Zugehörigkeit und Einsamkeit. Alltägliche Situationen werden in eine knappe, konzeptuelle Kunstsprache übersetzt – in Form von Texten, Aktionen, Objekten und Installationen, mit denen Gupta die unmerklichen Mächte thematisiert, die unser Leben als Bürger oder heimatlose Menschen regulieren.