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19 Mai 2020

Ein Besuch in den Viles

Zeichnung von Roswitha Asche

Die Viles sind eine für das Gadertal typische Siedlungsform. Sie liegen in einer Höhe zwischen 1200 und 1700 Metern, und anders als bei „normalen“ Südtiroler Bergbauernhöfe handelt es sich um eine ganze Gruppe von Höfen, die ganz dicht beieinander liegen und sich auch durch die Art und Weise unterscheiden, wie Grund und Boden aufteilt und organisiert wird. Die Viles bestehen aus Wohnhäusern, aus Ställen, Scheunen und Wirtschaftsgebäuden. Die Gebäude säumen die Straße, die vom Tal aus heraufführt. Von der Straße erreicht man über eine kleine Brücke den höher gelegenen, mit der Scheune verbundenen Stall, der normalerweise das größte und wichtigste Gebäude eines Hofes darstellt. In der unteren Etage befindet sich der Stall, oben werden die Feldfrüchte gelagert. Das Wohnhaus steht neben dem Stall. Neben diesen beiden Gebäuden, manchmal sogar direkt mit ihnen verbunden, stößt man auf Einrichtungen wie den Brotofen, den Pferdestall, auf Hühnerställe, Bienenstöcke, Harpfen (auf denen das gemähte Gras getrocknet wird), Misthaufen und Gemüsegärten. Das Besondere an den Viles ist, dass die Wege und Plätze im Weiler und die Verbindungswege zu Feldern und Wäldern im Gemeinschaftsbesitz sind und nach Gleichheitskriterien zwischen den verschiedenen Höfen aufgeteilt. In den Viles wird also eine Form des gemeinschaftlichen Wirtschaftens praktiziert, das auf gegenseitiger Hilfe beruht. Ländliche Demokratie in Gebirgslage. Schöne Viles sind Miscì und Seres im Tal von Lungiarü. Einen Besuch sind sie unbedingt wert.