This is not a cliché.

Gestern
Morgen
Jeden Tag eine neue Geschichte
08
Freitag
08 Mai 2020

Die Kunst des Schnörkelns

Lucio Fontana "Ambienti/Environments”, Mailand, Hangar Bicocca 2018

„Wir weigern uns zu glauben, dass Kunst und Wissenschaft zwei getrennte Bereiche sind und dass daher die in dem einen Bereich realisierten Projekte nicht auch zu dem anderen Bereich gehören können. Künstler antizipieren wissenschaftliche Unternehmungen und wissenschaftliche Unternehmungen provozieren stets künstlerische Projekte.“

Behauptet, unter anderem, Lucio Fontana in dem von ihm herausgegebenen „Manifesto Spaziale“ von 1947. Der Künstler, der vor allem mit seinen sprichwörtlichen und konzeptuellen Schnitten bekannt wurde, gehört zu diesen Persönlichkeiten, die einen glücklich machen, der Menschheit anzugehören. Im Nachkriegs-Mailand, in dem Intelligenz und Leidenschaftlichkeit lodern und wo Persönlichkeiten wie Munari, Dorfles, Magistretti, Castiglioni, Sottsass und viele mehr wirken, denken und schöpfen, herrscht reinste Magie. Eine Magie, der sich keiner entziehen kann und die wenig später auch Künstler vom Schlage eines Piero Manzoni und Baj ergreift, dazu Enzo Jannacci, Dario Fo, Beppe Viola, Giorgio Gaber, Cochi e Renato. Sie alle zusammen schaffen ein Mailand, das sich offen gibt, statt sich abzuriegeln und in dem mit komischer Dreistigkeit sämtliche italienischen Dialekte gesprochen werden, vom tiefsten Süden bis zum alpinen Norden. Doch zurück zu Lucio Fontana: Wir mögen ganz besonders seine Neon-Installationen, leuchtende Spuren, die sich durch den Raum winden und dabei eine ganz besondere Energie ausstrahlen – glücklich, ekstatisch, sinnlich und kosmisch.

Und das ist eine ganze Menge, finden Sie nicht auch?