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05 März 2020

Ein Haus und seine lange Geschichte

Es stammt aus dem 15. Jahrhundert, und wir nennen es „Ciasa Vedla“, was auf Ladinisch so viel bedeutet wie altes Haus. Es ist das Haus, in dem ich geboren bin. Und jedesmal, wenn mein Blick darauf fällt oder ich durch seine Türe trete, denn begreife ich, dass Erinnerungen nicht nur etwas Persönliches sind. Sie sind Teil eines kollektiven, gemeinsamen Gedächtnisses. Meine Erinnerungen haben mit der Geschichte Ladiniens zu tun, denn hier bin ich geboren, hier habe ich immer gelebt. In diesen Bergen, die groß sind wie die ganze Welt, und zwischen diesen alten Holzwänden, die so viel gesehen und gehört haben. Das alte Haus ist ein kleines Stück ladinischer Geschichte, das ich über die Jahre instandgesetzt und auf Vordermann gebracht habe. Zur Freude derjenigen Gäste, die hier im Sommer in netter Gesellschaft einen Aperitif trinken und ein bisschen in eine Welt hineinschnuppern wollen, die sich anfühlt, als wäre sie weit weg, in Wirklichkeit aber näher an uns dran ist, als man glauben möchte. Denn diese Welt steckt in uns selbst. Und wird dort für immer bleiben. Ein bisschen wie mit der Ciasa Vedla geht es mir auch mit dem Ladinia, unserem alten Berggasthof, der die erste Pension hier in Corvara war. Eröffnet in den 1930er Jahren, als der Tourismus bei uns seine ersten Kinderschritte unternahm, bevor ihn der Krieg erst mal wieder total zu Fall brachte. So geht es mir auch in unserem Hotel Posta Marcucci in Bagno Vignoni in der Toskana. Auch wenn das Umfeld dort ein völlig anderes ist, gibt es doch erstaunliche Ähnlichkeiten. Da wäre die Macht der Natur, die hier oben in den Dolomiten oder dort unten in diesem Paradies namens Val d’Orcia ein und dieselbe Sprache spricht. Eine Sprache der Schönheit, die wir bewahren, kultivieren und schützen müssen. Genauso wie ich die Ciasa Vedla geschützt habe, dieses kleine Holzhaus, das nicht nur mir gehört, sondern allen, die es gerne besuchen möchten.

Bëgnodüs.

Ernesto Costa