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21 März 2020

Ein Frühling voller Liebe, Frieden,
Wohlstand – und Gesundheit vor allem

Um das Äquinoktium des Frühlings zu feiern, jenen Moment im Jahr, an dem Tag und Nacht genau gleich lang sind, begeben wir uns in Gedanken nach Florenz, auch wenn die Museen dort alle geschlossen sind. Denn dort hängt bekanntlich in den Uffizien der „Frühling“, das Meisterwerk des Renaissancemalers Sandro Botticelli. Weniger bekannt ist, dass auf dem Gemälde neun Figuren der klassischen Mythologie zu sehen sind, die sich über eine blühende Wiese bewegen, hinter der dunkel ein Hain aus Lorbeerbüschen und Orangenbäumen aufragt. Ganz vorne rechts ist Zephyr zu sehen, der die Nymphe Chloris umarmt und schwängert, welche in der Figur daneben als Flora wiederauftaucht, die Göttin der Blüte. Dominiert wird die Komposition von der leicht im Hintergrund stehenden und züchtig bekleideten Venus, der Göttin der Liebe und der Schönheit, sowie von Amor, der gerade den Liebesbogen spannt. Linkerhand tanzen die Drei Grazien einen Reigen, drei Untergöttinen, die häufig im Gefolge der Venus auftreten. Und dann ist da noch der Götterbote Merkur mit Flügelhelm und Flügelschuhen zu sehen, wie er mit dem Heroldsstab, den zwei Schlangen symmetrisch umschlingen, eine Wolke berührt. Obwohl das Werk in seiner komplexen Bedeutung immer noch nicht ganz durchdrungen ist, wird klar, dass hier die Liebe gefeiert wird, der Frieden, der Wohlstand, den wir uns in diesen Zeiten als Synonym für Genesung und Gesundheit vorstellen. Die Vegetation, deren dunkle Farbe zum Teil durch das Nachdunkeln der Pigmente verursacht wurde, wird durch die üppig vorhandenen Früchte und Blumen aufgehellt. Experten haben in diesem Bild ganze 138 unterschiedliche Pflanzen gezählt, die Botticelli mit größter Sorgfalt gezeichnet hat – womöglich nach Vorlagen aus einem Herbarium. Diese Detailgenauigkeit passt zum großen Einsatz, den der Meister bei diesem Werk ganz allgemein zeigte und der auch durch den technischen Sachverstand unterstrichen wird, mit dem Botticelli vorging. Das Bild wurde auf einem Rahmen aus Pappelholz angefertigt und befand sich Ende des 15. Jahrhunderts im Hause der Erben von Lorenz di Pierfrancesco de’ Medici in der Via Larga in Florenz (heute: Via Cavour). Dort hing es über einem sogenannten lettuccio, einer Art Holzbank mit hoher Rückenlehne, wie sie die Patrizierfamilien in der Zeit der Renaissance gerne für ihre Einrichtung wählten. Später ging das Bild in die Villa di Castello über, wo Giorgio Vasari sie 1550 zusammen mit der „Geburt der Venus“ beschrieb, einem weiteren Meisterwerk von Botticelli, das man heute ebenfalls in Florenz bewundern kann, und obendrein im selben Museum. Wir wünschen Ihnen allen einen schönen Frühling! Möge er uns gute, positive, wohltuende Neuigkeiten bringen. Wir können sie gerade wirklich gut brauchen.