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17 Juni 2020

Eine Plastiktüte ist kein Bananenblatt

Karon Relief – Together we can:
Das steht auf dem Willkommensschild des von Roland geleiteten Hilfsprojekts in Bukasa, einem zentralen Stadtteil von Ugandas Hauptstadt Kampala. Roland organisiert hier Ausbildungskurse in Grafikdesign und Editing, Friseur- und Barbierhandwerk sowie Schneiderei und kümmert sich um Projekte zur Abfallverwertung. Gemeinsam mit seinem Team stellt er gerade ein Show-Projekt fertig: Gebaut wird ein Friseursalon, in dem Friseure und Barbiere ihre Ausbildung erhalten sollen. Die Mauern dieses Salons bestehen jedoch nicht aus Ziegelsteinen, sondern aus mit Sand gefüllten Plastikflaschen. Die Außenfassade wird schließlich so verarbeitet, dass der Putz die Flaschenböden oder den Flaschenverschluss erkennen lässt. Die Verschlüsse werden künstlerisch nach Farben angeordnet, so dass die Fassade schließlich mit dekorativen Mustern geschmückt ist. Ergebnis (unter anderem): Verschiedene Betriebe in Kampala haben bereits um einen ähnlichen Bau gebeten. Ein Großteil der Plastikflaschen wird in Kampalas Slums gesammelt, wo viele Frauen sich unter aller Augen waschen müssen, weil es keinerlei Privatsphäre gibt. „Mit derselben Konstruktionstechnik können wir Paravents bauen. Damit wird also nicht nur Plastik recycelt, sondern den Frauen gleichzeitig auch ein würdevolleres Leben ermöglicht“, berichtet Roland. „Wenn wir in die Slums gehen, um die Plastikflaschen zu besorgen, versuchen wir in der Denkweise der Menschen dort den Funken überspringen zu lassen und ein Bewusstsein für Umweltverschmutzung und für die Verantwortung des einzelnen für eine saubere Umwelt zu schaffen.“ Wie in vielen anderen Entwicklungsländern ist auch in Uganda Plastik weit verbreitet, und niemand klärt darüber auf, welche negativen Folgeerscheinungen sein Gebrauch und seine Verbreitung auf die Umwelt haben. Oder wie man Plastik entsorgt. Es fehlt ein klares und weit verbreitetes Bewusstsein darüber, dass Plastik die Umwelt belastet. Daher werden Plastiktüten überall in die Gegend geworfen, wie man es früher mit den Bananenblättern und andere als Behälter für Essen oder andere Dinge benutzten Pflanzen gehalten hat. In Rolands Hilfsprojekt stellen die Frauen des Schneiderkurses wasserdichte Mehrzweck-Taschen her, bei denen mehrere Lagen Plastik an den Enden von zwei Stofflagen festgehalten werden. Ein anderes Projekt sieht die Herstellung von „Ziegelsteinen“ aus Plastikabfällen vor. Diese Ziegel eignen sich hervorragend für die Pflasterung von Fußböden, denn sie sind extrem widerstandsfähig. Allerdings braucht es hier noch ein technisches Herstellungsverfahren, bei dem keine giftigen Dämpfe freigesetzt werden – zum Beispiel indem man Filter einsetzt oder Schmelzmaschinen, die auf Dampfbadbasis funktionieren. “Wir haben auch Wertstofftonnen für die Mülltrennung hergestellt, die in den Schulen aufgestellt werden sollen. Sie bestehen aus Metall und werden am Boden festzementiert. JedePlastik Schule erhält zwei dieser Tonnen – eine für Plastik, einen für Bioabfall. Es ist wichtig, dass die Kinder mit dieser Mentalität von Anfang an aufwachsen“, betont Roland. Und es ist wichtig, dieses Projekt möglichst schnell zu starten, denn Veränderung braucht Zeit, wenn sie im Alltag wirksam ankommen soll. Alessandra, eine Freundin der Costa Family Foundation