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13 Juni 2020

Böse Sache, diese Räude

Heute befassen wir uns mit einem Problem, das unsere Tierfreunde hoch oben in Fels und Stein betrifft: die Sarkoptesräude. Es handelt sich um eine der schwersten Krankheiten, die Gämsen und Steinböcke heimsuchen kann, und sie wird von einer kleinen Milbe hervorgerufen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. In den Dolomiten begann sich die Sarkoptesräude ab 1949 auszubreiten; in den Siebziger und Neunziger Jahren hat sie schwer zugeschlagen. In Gämsen- und Steinbockpopulationen, die noch nie von dieser Räude betroffen waren, kann die Krankheit in über 95% der Fälle tödlich verlaufen. Nach ein paar Jahren schwächt sich die Epidemie ab und die überlebenden Tiere organisieren sich in einer neuen Population. Ja, das Leben kann hart sein dort oben zwischen Felstürmen und Schotterkaren.

Sobald die Krankheit zur Endemie geworden ist, kann sie in Zyklen von sieben bis 15 Jahren wiederauftauchen. Doch dann ist die Sterblichkeit nur mehr gering und beträgt nur noch 10-15%. Bis heute stürzt sich die teuflische Sarkoptesmilbe auf die Vierbeiner der Felsen: die Milbenweibchen graben kleine Gänge in die Haut von Gämsen und Steinböcken, in denen sie ihre Eier ablegen. Beim Graben der Gänge sondern sie außerdem giftige Substanzen ab. Die betroffenen Tiere kratzen sich wund, indem sie sich an Baumstämmen und Felsen reiben. Sie verlieren ihr Fell an Hals und Schnauze, fressen immer weniger und werden zunehmend schwächer, bis sie schließlich sterben. Die Krankheit überträgt sich nicht auf den Menschen, und es gibt Menschen, die sich mit Geduld, Hingabe und wissenschaftlichen Methode den Tieren widmen. Die Förster im gesamten Alpenraum kümmern sich mit großem Einsatz, überwachen die Tierpopulationen, registrieren neue Krankheitsfälle und überwachen die Entwicklung der Räude innerhalb der geschützten Gebiete. Giulan.