This is not a cliché.

Gestern
Morgen
Jeden Tag eine neue Geschichte
15
Heute
15 August 2019

Santa Maria dal Ciüf

In den Tälern Ladiniens ist der 15. August der Tag der Blumen. Jedes Dorf schmückt sich mit Blütenblättern in einer Explosion der Farben und feiert damit die Santa Maria dal Ciüf, die Heilige Maria der Blume. Es ist der schönste religiöse Feiertag des ganzen Sommers: Die ladinischen Mädchen und Frauen legen ihre traditionelle Bauerntracht an und gehen zur Heiligen Messe mit einem geschmückten Korb voller Blumen, Heilkräuter, Salz und Mehl, damit er vom Pfarrer gesegnet werde. Der Korb wird dann sorgfältig zuhause aufbewahrt, wo er das Haus beschützen soll, bis er beim ersten Gewitter im Ofen verbrannt wird. Diese alte ladinische Tradition ist bis heute in den fünf ladinischen Dolomitentälern lebendig, als eine Art Danksagung in der Mitte des Sommers. Es ist schön, auf den Straßen die Mädchen zu sehen, die so gar nichts Bäuerliches mehr an sich haben, aber die Kleider tragen, die aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt zu stammen scheinen. Es ist schön zu sehen, wie sie bei der Prozession gemeinsam durch die Dorfstraßen schreiten. Sie erinnern dann ein bisschen an die Bilder der Impressionisten mit all diesen Farbflecken, die sich auf der Leinwand zu bewegen scheinen. Santa Maria del Ciüf ist wirklich ein schönes Fest, nicht nur in volkstümlicher Hinsicht: Es ist schön, weil es ein Fest ist voller Düfte und Farben, es steckt voller Lächeln, ist heiter und positiv – wie ein Blütenblatt eben. Es ist auch ein Fest, das in den letzten Jahren immer mehr Touristen angezogen hat. Weil die Frauen so schön sind, weil die Dörfer sich mit ihrem Blumenschmuck so hübsch herausputzen und weil eine entspannte Atmosphäre herrscht, die einen begreifen lässt, welch wichtigen Beitrag die alten Sitten dazu leisten, um einen Identität zu erhalten, die ständig in Bewegung ist. Wenn ein Fest ganz um seiner selbst willen gefeiert wird, wenn es in einem Umfeld stattfindet, das von Schlichtheit und Erinnerungen geprägt ist, dann wird das Tragen von traditionellen Trachten zu einer großen Freude. Dann macht es glücklich, die Kleidungsstücke aus dem Schrank zu holen, sie vorsichtig zu entstauben und zu lüften, damit der Geruch von Mottenkugel sich verliert, sie sorgfältig zu bügeln und auszubessern, wo nötig. Nicht als Spielerei, nicht als Karneval, sondern als eine Antwort auf die Frage, wo wir herkommen. Denn wenn wir unsere Vergangenheit nicht kennen, wie sollen wir uns dann unsere Zukunft vorstellen? Oh Heilige Mutter Gottes der Blumen voll der Gnade und der Farben, du seist stets gebenedeit.


Stefan, Style and Housekeeping Director

HEUTE ABEND IM BISTROT MUSIC CLUB:

Grinzato, Degasperi&Ballester Trio
Let's get it on!