Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

Juli 2013

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Mittwoch,
31 Juli 2013

Respekt muss sein

Endlich ist er da, der Sommer! Und mit ihm Heerscharen von Touristen, die in die Berge strömen. Kein Problem! Nur sollten sie – und das kann man gar nicht oft genug wiederholen – Respekt für dieses „Naturerbe der Menschheit“ mitbringen.
„Die Natur hat tausend Augen, ein Wald spürt, wenn etwas fremd ist, nicht zu ihm gehört, und dann verschließt er sich, erstarrt...“
Der Dichter Ermanno Krumm hat ein von ordinären Businessinteressen zerstörtes „Alpen-Idyll“ folgendermaßen beschrieben:
„Ich lege mich unter eine Tanne,
Schweigen und Schnee: das Bett ist weiß
perfekte Windstille
kein Mensch unterwegs
und mit den Tieren lausche ich dem Bach.

Doch auf einmal trete ich ihre Einsamkeit
mit Füßen, zerbreche Zweige
zerreiße und zerstöre, so viel ich kann
Bis kein Zentimeter mehr sauber ist (aus „Respiro“, Fine dell’idillio).

Der große „Berg“-Schriftsteller Mario Rigoni Stern hat andererseits erzählt: „Ich beobachte die Menschen, die für einen Sonntag in die Wälder oder in den Schnee kommen. Knallbunte Klamotten, schneller Schritt, abwesender Blick. Dann die Autos, Lichter, Motorschlitten... Die Natur hat tausend Augen, ein Wald spürt, wenn etwas fremd ist, nicht zu ihm gehört, und dann verschließt er sich, erstarrt... Zu denen aber, die zuzuhören, zu riechen wissen, zu denen spricht der Wald mit tausend Zeichen und Stimmen...“

Das Reich der Dolomiten sollten wir in der Tat wie einen heiligen Ort betreten, „leichten und sicheren Schritts“, wie Rigoni Stern sagt, der es noch konkreter formulierte: „Die Alpen sind das Eis, treulos und feindlich... Die Dolomiten sind der Schnee und die Schönheit, nachsichtig gegenüber dem Menschen, der sie begreifen und respektieren möchte.“ Edgar Lee Masters wiederum sah es so: „... all diese Gipfel sind Gedichte, Gedichte und Gebete, die die Wolken durchbohren“ (aus „Spoon River Anthology“, Judson Stoddard)
Lauschen wir also schweigend den Bergen und erfassen wir ihre wahre Natur: So werden wir sie mit jenem Staunen wahrnehmen können, das uns zu Kennern der Welt macht und das uns jenes Stück Wahrheit schenkt, welches uns die Mühe des Lebens ein wenig leichter macht.

Sonia Sbolzani