Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

Dezember 2015

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Dienstag,
01 Dezember 2015

Ganz besondere Persönlichkeiten

Herzlich willkommen
Mit einem echten Lächeln werden wir begrüßt, als wir das Haus betreten, das für ein paar Tage unser Zuhause sein wird: „Herzlich willkommen!“ Ein feiner Duft liegt in der Luft, es ist angenehm ruhig. Das Ambiente mit seinen ausgesuchten Details ist fein, aber nicht protzig, und liebevoll gepflegt. Eine Atmosphäre wie aus vergangenen Zeiten
Es stimmt: Einen ersten Eindruck kann man kein zweites Mal hinterlassen. Und ich war schon einmal hier, vor zwanzig Jahren, ein neugieriger Reisender auch damals. Eine Übernachtung konnte ich mir seinerzeit nicht leisten, aber den Charme des Hauses wollte ich gerne kennenlernen. Jeder wusste, dass dort Stars aus aller Welt verkehrten – und immer noch verkehren – die den Luxus und die Diskretion des Hotels schätzten.
Noch heute erinnere ich mich an ganz vorzügliche Spaghetti mit Meeresfrüchten, die ich genoss: perfekt gegart, die Venusmuscheln ein Gedicht, der Service ohne Tadel. Und dieser Blick! Auch ich fühlte mich nun wie ein Star! Ja, dieses Plätzchen zwischen Olivenbäumen und Rosmarinhecken habe ich nie vergessen. Auch der wohltuende Anblick des türkisfarbenen Meeres gefiel mir sehr, was unüblich ist für einen Gebirgsmenschen wie mich. Doch die senkrechten Felsklippen waren mir dann wieder heimisch. Dieser Ort, der damals schon zauberhaft war, ist heute immer noch wunderschön.
Was aber ist es, das aus einem Hotel ein derart besonderes Haus macht? Es geht um unzählige kleine Details, die dem unaufmerksamen Besucher vielleicht gar nicht auffallen: die schöne Hintergrundmusik, der junge Kellner, der einen mit Namen anspricht, die feine Tischwäsche, der Blumenstrauß. Die Kultur der Gastfreunschaft, die man atmet und die sich in den kleinen Dingen zeigt. All das zusammen ist die „Wissenschaft“ der Gastlichkeit, und sie reicht weit über das rationelle Prinzipien hinaus. Decartes würde hier eines Besseren belehrt; „einen Gast zu haben“ fällt nicht so sehr in die logische Dimension als in die psychologische. Es handelt sich um einen kontinuierlichen Dialog zwischen „hospes“ (dem Gastgeber) und „hostis“ (dem Gast, dem Fremden): Dieser, der mich besucht, gibt mir die Möglichkeit zu lernen, mich weiterzuentwickeln, mich selbst besser zu verstehen. Ein Hotel ist ein sozialer Ort, an dem aus aller Welt zusammentreffen. Wo die Menschen, die dort arbeiten, über die Gabe verfügen, die Wünsche der Gäste zu erahnen, bevor diese sie aussprechen. Und ihnen daher Momente der Sorglosigkeit schenken. Momente der Tiefe. Persönliche, unvergessliche, erhabene Momente.
Das Hotel Il Pellicano liegt direkt über dem Meer. Eine Insel des Glücks in eindrucksvoll schöner Natur. Doch Achtung: Glück besteht nicht nur aus Komfort und Entertainment. Glück sieht anders aus. Wie schon Kant wusste, will der Mensch zwar glücklich sein, kann aber nicht mit letzter Sicherheit sagen, was er sich eigentlich wünscht. Nun möchte ich hier natürlich nicht die großen Philosophen behelligen, die sich mit dem Thema Glück auseinandergesetzt haben, doch eines ist sicher: Schöne Orte tragen zu meinem persönlichen Glücksgefühl bei. Die Natur macht mich glücklich. Und daher will ich hier noch einmal Descartes bemühen. Sein Ansatz – nämlich den Menschen dazu aufzufordern, sich zum Herren über die Natur zu machen – war für die moderne Menschheit höchst verderblich.
Wenn der Mensch nicht begreift, dass er Teil der Natur ist, dann orientiert er sich nach unten, in Richtung Tierreich. Das Ziel, das wir in dieser Welt jedoch haben, ist es, nach oben zu streben, im Bemühen zu verstehen, dass wir „Capax Universi“ sind. Dass wir die Fähigkeit, die Möglichkeit und die Notwendigkeit besitzen, das Übermenschliche anzustreben.
Es war mehr eine Eingebung, es war der Wunsch, Schönheit mit anderen zu teilen und nicht nur Rationalität und Renditerechnen, was Roberto Sciò im Jahr 1965 dazu bewog, das Hotel Pellicano auf dem Monte Argentario in der Toskana zu eröffnen. Heute ist das Pellicano ein Haus mit Geschichte, das auf den Schultern ganz spezieller Menschen ruht. Wie Robertos Tochter Marie-Louise. Wie Michele Simbaldi, dem tüchtigen stellvertretenden Direktor. Oder Federico, einem Barmann wie aus längst vergangenen Zeiten – da wären sie übrigens wieder, die guten alten Zeiten – der dir eine Zigarre aus einer limitierten Edition anbietet, weil er gesehen hat, wie du dir am Nachmittag zuvor mit Genuss eine Toscano angezündet hast. Menschen wie Matteo, der Kellner, der sich an deinen Lieblingswein erinnert. Na gut, für ihn ist es einfach – er hat früher in der Stüa de Michil gearbeitet!
Das La Perla und das Pellicano teilen die gleichen Werte. Mit unseren Mitarbeitern und der Familie wollen wir uns immer mehr in Richtung „Gastlichkeit“ bewegen. Und mit den Freunden aus der Toskana haben wir so viele Gemeinsamkeiten... Angefangen bei der Kultur unserer Arbeit. Wir wollen das werden, von dem wir träumen, und das sage ich ganz ohne Eitelkeit.
Bei diesem Sich-nach-oben-Recken, dem Gipfel entgegen, dienen uns die Dolomiten – so wie der Argentario und die tausend anderen herrlichen Naturlandschaften, die wir in Italien haben – als Stütze. Sie helfen uns, sind eine nie versiegende Quelle der Inspiration. In „meinen“ Bleichen Bergen sehe ich jeden Tag Schönheit, und diese Schönheit ist der Reflex der Wahrheit. Das geht über den Verstand hinaus, auch über Skipisten und Marketingstrategien. Pascal hat gesagt, dass das Herz seine Gründe hat, die der Verstand nicht kennt. Ich liebe meine Arbeit, weil sie mir ermöglicht, das zu tun, was ich liebe – an einem Ort, den ich ebenfalls liebe. Ja, so sieht das Ziel meiner Arbeit aus: unsere Gäste für die Schönheit zu begeistern und sie glücklich zu machen. Ihnen ein Glück zu schenken, das sie mit nachhause nehmen können, möglichst für immer. Unter der Bedingung jedoch, dass sich Cäsars (von Shakespeare aufgeschriebenen) berühmten Worte zu Herzen nehmen: „Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, durch die eigene Schuld sind wir Schwächlinge.“

michil