Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

Juli 2015

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03 Juli 2015

Eine tolle Mannschaft, unsere Brigade

Eine schöne Küchen- und Restaurantbrigade, da ist nichts zu sagen. Sie findet sich mit Unbeschwertheit und Leichtigkeit in den Sälen der Stuben zurecht. Sie kennt die Bedeutung von Worten wie Disziplin und Respekt, Willkommen und Gastfreundschaft. Es ist eine junge Mannschaft, die sich auf einer Farbpalette bewegt, die die Stuben auszeichnet: weiß und rosa, gelb und lachsfarben, grün und blau. Der jüngste unter ihnen allen heißt Alberto.
„Wer die Qualitäten der jungen Leute gering schätzt, wer sie nicht würdigt und sie mit unbedeutenden Gemeinplätzen beschreibt, der kennt sie nicht.“
 Er ist hier im Hause eingetroffen, als er erst neunzehn Jahre alt war, ein Junge noch. Er stammt aus Bassano del Grappa, eine für ihre Brücke bekannte Stadt, und die Idee der Brigade hat er daher im Blut. Er hat als Commis begonnen und jetzt, wo er 21 Jahre alt ist und immer noch der jüngste von allen, ist er schon Chef de Rang. Aber sein Weg war nicht immer rosig, doch auch das ist normal: Niemand wird "gelernt geboren", wie man in Rom sagt. Jetzt jedoch: Wehe, wenn ihm jemand die blaue Stube anfasst, aber vor allem die grüne. Er sagt, dass sie ihm in besonderem Sinne "gehört". Nicht, dass ihm die anderen nicht gefielen, aber das grüne Zimmer, mit dem ebenfalls grünen Ofen hat etwas Intimes. Es strahlt eine besondere Wärme aus. Und deshalb muss alles in perfekter Ordnung sein, nichts darf an der falschen Stelle sein. Alberto ist in Bezug auf die grüne Stube fast eifersüchtig. Er betreut sie mit Hingabe. Und genauso geht er mit den Gästen um. Als wenn er mit seinem angenehmen Verhalten die Schönheit eines Abendessens in einem derartigen Ambiente weitergeben wollte. In der Tat ist die grüne Stube vielleicht die wärmste, weil sie klein ist. Es überrascht mich immer noch, in einem jungen Mann eine derartige Sensibilität festzustellen. Wenn ich an die Klischees denke, die heute über die Jugend im Umlauf sind, muss ich gestehen, dass ich ein bisschen nervös werde. Alberto: seit drei Jahren hier im Hause. Fünf Saisonzeiten: mehrere Winter und Sommer. Er spricht drei Sprachen. Er ist immer herzlich, höflich, aufmerksam. Er hat gelernt, pünktlich zu sein und Snowboard zu fahren ...Wenn das die jungen Leute von heute sind, dann kann man Vertrauen haben, und wie!                              
Alberto ist immer mit seinem Freund Nicolas zusammen, einem weiteren jungen Chef de Rang. Wir nennen sie den Kater und den Fuchs. Sie sind nie arrogant, stehen immer zur Verfügung. Als wenn sie keine Angst hätten, sich in Gegenwart von Gästen zu bewegen, die im allgemeinen viel älter sind als sie selber. Das bedeutet, dass diese Jungen gut arbeiten; sie schaffen es, sich Vertrauen und Respekt zu erwerben. Und sie wissen, wie sie die Arbeit der Küchenbrigade zur Geltung bringen können. Außerdem kann es keine gute Küche geben ohne einen erstklassigen Service. Wenn ich beobachte, wie diese jungen Leute mit der sicherlich nicht einfachen Aufgabe umgehen, die Säle einer so besonderen Umgebung wie die der Stuben zu führen, wird mir klar, dass ein Stück unserer Zukunft, nicht nur des Hauses, in guten Händen ist. Und ein kleines bisschen bin auch ich stolz darauf.

Marco Pellegrini