Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

Juli 2015

M D M D F S S
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Gestern
Morgen
18
Samstag,
18 Juli 2015

Eine Geschichte zum trinken

Es gibt Geschichten die schön sind, denn sie haben eine einfache und lineare Entwicklung. Es sind Geschichten, die an einem weit entfernten Punkt beginnen und langsam aber sicher konkret werden. Strahlend schön. Es lohnt sich, sie zu erzählen. Wie die von Emanuele Broccatelli, der als Gläserwäscher begann und gleich wusste dass es nicht dabei bleiben würde. Durch den Umgang mit den Gläsern, die Luft, die er in der Bar mit vollen Lungen atmet, begreift er die daraus entstehenden Geheimnisse und die Faszination und er versteht, dass er nicht stehen bleiben kann.
„Der Barkeeper des Hotel Majestic in Rom hat einige Tage mit uns zusammen verbracht, um uns zu erzählen, wie Erinnerungen essenzielle Zutaten von ganz außergewöhnlichen Cocktails werden können.“
Aus Rom stammend, jung und reich an Hoffnung, kommt er nach London, wo er die hohe Kunst des Getränke mischen kennen lernt. Er beginnt mit Boston Shaker, Stirrer und Cocktail Measure umzugehen und verwandelt sich in kurzer Zeit in einen Zauberer der Manipulation und des Mixen von vegetarischen Essenzen, Aromen und Alkohol. Emanuele gilt heute als einer der besten Barkeeper überhaupt. Er ist so gut, dass der Küchenchef Massimo Riccioli ihn als Chef der Cocktail Bar im Hotel Majestic in der Via Veneto in Rom angeheuert hat, um ein Konzept der Hotelwirtschaft zu erneuern: die Bar öffnet die Türen für alle und nicht nur für die Hotelgäste, und sie formt sich um in eine Streetbar mit guter Qualität und bezahlbaren Preisen. Ihn in Aktion zu erleben ist ein wirkliches Spektakel. Wir vom Perla hatten das Glück, ihn aus der Nähe zu sehen, sehr nah. Michil war sehr beeindruckt von der informellen Herangehensweise von Emanuele und seines freundlichen Lächelns und hat ihn eingeladen, in unserer Bar ein Stage zu machen. Emanuele hat sofort zugesagt und mit großer Bereitschaft, Natürlichkeit und ohne Arroganz hat er uns drei Tage lang ein Paar Stunden täglich Geschichten erzählt, Geheimnisse preisgegeben und uns wertvolle technische Ratschläge gegeben bezüglich angewendeter Mixtechniken. Er hat uns von seinem „Sweet Dream“ erzählt, ein Cocktail auf der Basis von Erinnerungen. Ja genau, von Erinnerungen. Genauso wie die von den Biscotti Gentilini (Kekse) in Milch eingetaucht, in Rom ein Klassiker, den die Mamma jeden Tag zum Frühstück gemacht hat. Er hat uns gezeigt wie Techniken aus der Küche, zum Beispiel die der Oxidation, auch in der Bar angewendet werden können. Er hat uns gezeigt, dass er manchmal gewisse Zutaten mehr als einen Monat im Dekanter lässt. Wir haben zusammen die Möglichkeit ausprobiert lokale Produkte wie Latschenkiefer, Speck, Zitronenverbene und wilde Lupinen zu nutzen, um unsere Bar noch mehr in ein Lokal aus der Bergen umzuformen, wo man Aromen und Düfte aus den Dolomiten auch in einem Glas finden kann. Er ist einen ganzen Abend mit uns hinter der Bar gewesen. Eurer Meinung nach haben wir uns amüsiert? 
Eine sehr schöne Geschichten, die von Emanuele. Vor allem ist er ein sehr netter Mensch. Einer dieser Künstler dessen Kunst angeboren ist, der aber sein Wissen mit Freude weitergibt. Wenn Sie wissen wollen, wie diese Geschichte weiter geht, brauchen Sie nicht anderes zu tun als nach Rom zu fahren und ihn dort aufzusuchen. Lassen Sie sich verzaubern von seinen sanften Bewegungen, während Sie einen seiner außergewöhnlichen Cocktails schlürfen. Andernfalls schauen Sie bei uns vorbei, wenn er wieder mal in unserer Gegend ist.
Hoffentlich kehrt dieser Künstler des Tresens bald wieder hierhin zurück, der seine Erinnerungen in flüssige Erfahrungen verwandelt.

Paolo Baraldi