Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

August 2014

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Dienstag,
12 August 2014

Ein schwarzer Schwan auf den Dolomiten-Pässen

Dein Herz schlägt im Takt
Eines neuen Rhythmus
Und so wenig ich bisher gehört habe
weiß ich doch, es ist mein Lieblingsstück.
„Zugegeben: Ich mag es, von den Serpentinenstraßen, die sich wie Aale auf den Dolomitenhängen winden, langsam weichgekocht zu werden. Schließlich richtig schön matschig nach Hause zu kommen. Und dem Schwarzen Schwan ewige Treue zu schwören.“
Okay, mein Fahrrad, ein total schwarzes Pinarello Paris, habe ich Schwarzer Schwan getauft. So wie der Titel des Lieds von Fedez. Ja, auch Küchenchefs hören Hip Hop. Das wussten Sie nicht? Doch anders als in dem Stück, das der Mailänder Fedez rappt, ist mein Schwarzer Schwan keine Frau für ein Abenteuer, das früher oder später enden wird (und zwar eher früher als später, wenn man Fedez Glauben schenken darf). Mein Schwarzer Schwan unterstützt mich vielmehr, wenn ich hin und wieder aus der Küche flüchte und mich entspannen will. Wenn ich Lust habe, mich zwischen Wolken und Serpentinen zu verlieren. Wenn ich in den Verwerfungen der Bleichen Bergen auf der Suche nach Frieden und Stille bin. Vor gut zwei Jahren habe ich die Freude am Fahrradfahren entdeckt. Zwar bin ich schon als Junge Rennrad gefahren, war dabei aber oft alleine unterwegs und habe deshalb irgendwann aufgehört. Vielleicht plagen sich die jungen Leute einfach auch nicht so gerne. Radeln ist außerdem ein Sport, der ein gewisses Bewusstsein voraussetzt. Eine meditative Grundeinstellung, keine übertriebene Überschwänglichkeit. Doch mit Sicherheit ist es ein Sport, der befreit, und sei es nur für ein paar Stunden. Es ist schön, für eine Runde auf dem Fahrrad raus zugehen. Und zwar im Sinne einer Runde über die vier Dolomitenpässe – Campolongo-Pass, Pordoi-, Sella- und Grödnerjoch. Es macht Spaß, sich über den Lenker gebeugt ein neues Gericht auszudenken. Und ebenso schön ist es, beim Radeln alle Zutaten, Einkaufslisten und Pflichten zu vergessen. Albert Einstein hat gesagt, dass das Leben wie Fahrradfahren ist: Wer im Gleichgewicht bleiben will, muss sich bewegen. Und wenn ich mit meinem Schwarzen Schwan unterwegs bin, wenn sich meine Lungen mit Sauerstoff füllen, mein Herz schlägt und meine Stirn sich mit Schweiß bedeckt, dann finde ich am allerbesten zu jenem Gleichgewicht, das ich brauche, um das Leben zu meistern. Das Fahrrad ist Weisheit in Reinform. Es ist das einzige Transportmittel, mit dem du deinen Energieverbrauch kontrollieren kannst (jedes einzelne Gramm des eigenen Körpergewichts auf einer Strecke von einem Kilometer, die in zehn Minuten – also sehr, sehr langsam – zurückgelegt wird – kostet den Körper 0,75 Kalorien). Gleiches kann man vom Auto nicht behaupten. Fahrrad und Kraftfahrzeug wurden von Menschen der selben Generation erfunden. Doch es sind entgegengesetzte Symbole der Nutzung modernen Fortschritts. Was mich betrifft, so halte ich es mit dem Schwarzen Schwan. Mit ihm genieße ich, wann immer ich kann, unsere Bergen mit ihrer einzigartigen Schönheit. Zugegeben: Ich mag es, von den Serpentinenstraßen, die sich wie Aale auf den Dolomitenhängen winden, langsam weichgekocht zu werden. Schließlich richtig schön matschig nach Hause zu kommen. Und dem Schwarzen Schwan ewige Treue zu schwören. Und dann singe ich mit Fedez: ‚Ganz unter uns, du bist der schönste Fehler meines Lebens...’

Arturo Spicocchi