Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

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02 Mai 2013

Dolomiti Dolomia und Dolomieu

Was haben die Dolomiten mit Dolomieu zu tun? Das ist doch ein Dorf in Frankreich. Und Dolomit? Was bedeutet das alles?
Bekannt ist: Jeder Gipfel hier hat einen eigenen Namen, aber auch eine unverwechselbare Spitzen-Persönlichkeit. Nach modernen Parametern sind diese Berge nicht sehr hoch; das Ziel, sie zu erobern, ist längst erreicht. Wer nur ein wenig bergsteigerische Technik und gute Kondition hat, schafft jeden Aufstieg, Rückkehr bis zum Abendessen garantiert.
Unter den ersten leidenschaftlichen Alpenforschern finden wir eine interessante Persönlichkeit, die unfreiwillig den Grundstein gelegt hat für unseren Gipfelruhm: Déodat de Dolomieu. Der Familienname Dolomieu - voilá, der erste Auftritt der Sprachwurzel “dolom” - bezieht sich auch auf das Heimatdorf unseres Déodat, auf eine heitere französische Ortschaft mit wenigen tausend Einwohnern am Fuß der Grajischen Alpen.
Getrieben von unbezähmbarem Forscherdrang erreichte Monsieur Dolomieu im Jahr 1889 unseren Landstrich. Ins Herz unseres Gebirges drang er freilich nie vor. Nur an seinem Rand, zwischen dem Brenner und Trient, sammelte er mehrere Muster eines hellen Gesteins, das sich als äußerst rebellisch erwies. Im Versuchs-Status benahm es sich nämlich keineswegs so, wie er es erwartet hatte. Dem Augenschein nach Kalzit, erwiesen sich die Gesteinsproben als überraschend wenig schäumend, wenn man sie mit Chlorsäure begoss. Der gute Déodat sah sich konfrontiert mit einem unbekannten Mineral, dessen Magnesiumanteil es viel härter machte als Kalzit.
Flugs teilte er seine Entdeckung mit einem anderen profunden Kenner, seinem Freund Nicolàs de Saussure. Er beschrieb ihm das neue Mineral, das er mit höflicher Widmung Saussurite nannte. Im Höflichkeitsaustausch behielt indessen Nicolàs die Oberhand, er nannte das Gestein nach seinem Entdecker Dolomite. Und diesen Namen behielt es in allen Sprachen - obwohl Wissenschaftler und Geografen noch lange über die wissenschaftlich korrekte Definition debattierten.
In der volkstümlichen Phantasie fusionierten die Begriffe Dolomite, Dolomit und Dolomieu zu einem einzigen und verwurzelten sich für immer unter dem Namen Dolomiten. Der wurde weltberühmt und Symbol für den Tourismus in Südtirol. In unseren Tagen beklagen wir nicht mehr die wissenschaftliche Begrenztheit dieses Begriffs. Wir beschränken uns aufs Ausblenden der Tatsache, dass einige unserer Symbolberge - unter ihnen unsere Dolomitenkönigin Marmolada - gar kein Dolomitgestein enthalten.
Wie dem auch sei: Kalkgestein oder Dolomit, angesichts von so viel Schönheit können wir ohnehin nur dankbar sein.

Marco