Die Faszination dieses Hauses
liegt weniger in dem was es bietet,
sondern in dem,
worauf es verzichtet.

This is not a cliché.

Oktober 2012

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Morgen
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Sonntag,
14 Oktober 2012

Auch Rührung kann ansteckend sein...

Es ist Heiligabend um halb neun; wir gehen zu den Tischen...

Tutto cambi perché niente cambi
"Il Gattopardo"

Es ist Heiligabend um halb neun; wir gehen zu den Tischen. Doch wir schenken keinen Wein ein, tragen keine Teller auf. Was wir den Gästen heute servieren, sind die Gedichtzeilen; es ist unser Geschenk an jede Gastfamilie; wir wollen mit ihnen das ganz besondere Weihnachtsgefühl teilen. Ich stehe vor dem Tisch einer Familie in einer unserer Stuben. Mit leiser Stimme lese ich "Weihnachten" von Joseph von Eichendorff vor. Während ich lese, suchen meine Augen den Blick des kleinen Mädchens - mit großen Augen und fast ein bisschen eingeschüchtert sieht es mich an. Rasch wende ich den Blick ab und sehe nun die Mutter an; sie sitzt mit feuchten Augen da. Wieder gelingt es mir nicht, den Blick zu halten - ich bin zu ergriffen. Die Rettung ist der Text auf dem Blatt Papier vor mir; ich senke den Blick, konzentriere mich und lese weiter. Doch dann fällt mein Blick auf den Vater an. Still sitzt da, fest auf seine Frau hat er seine Augen gerichtet, sie sind glänzend und rot. Der Mutter läuft eine Träne über die Wange. Und mir sitzt ein dicker Kloß im Hals, die Stimme versagt mir, ich kann das Gedicht nicht zu Ende lesen. So leicht hätte es sein können - und genau das ist es nicht. Und so bringe ich nur gerade noch ein "Frohe Weihnachten" heraus, bevor ich davonstürze. Das immerhin habe ich noch geschafft.
mErCh