This is not a cliché.

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Sonntag,
28 April 2019

Unser Freund, der Fotograf

Bei der mittlerweile massenhaften Verbreitung von Geräten, die alles, was wir tun, endlos reproduzieren, ist es schwierig geworden, von Fotografie zu reden. Und deshalb tun wir das auch nicht. Es gibt keine Fotografie. Es gibt den Künstler, der die Fotografie als intellektuelles und gefühlsgebundenes Medium benutzt, um mit der Komplexität der äußeren Welt in Verbindung zu treten – in einem intensiven Suchprozess, der schließlich mit der Existenz selbst zusammenfällt. Genau das ist der magische Touch von Gustav: Seine Bilder erzählen etwas. Als wäre seine Art, zu fotografieren, Bestandteil einer geschriebenen Sprache, die sich in Pixel übersetzen lässt. Es gibt keine Landschaft, doch es gibt Himmel, Wolken, Symmetrien, Spiegel, Felsen, das Leben. Nicht nur Einsamkeit und Unbehagen. Es gibt Abenteuer. Ein kühner Versuch, das Bild eines Ortes, eines Gesichts, einer Architektur wiederherzustellen, irgendwo zwischen Anthropologie und Geographie. Es ist auch kein Zufall, dass Gustav Willeit sich selbst zu Guworld synthetisiert. Und diese Welt von Gustav drückt sich in Momentaufnahmen aus, die das Vergängliche überwinden und eine Dimension der Ewigkeit erreichen. Doch da ist nichts Heilssuchendes in Gustafs Art zu denken und zu kreieren. Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie bemerken, dass Gustavs Bilder zwar mit Sensibilität und Gegenwart verführen, aber es gibt auch Risse, die – wie die Falten in einem Gesicht – ankündigen, dass sich das Leben und die Geschichte allmählich auflösen.