This is not a cliché.

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Dienstag,
16 April 2019

Esegese des Weins

Seinen Wein verschickt er nicht per Spedition, er bringt ihn selbst vorbei. Oder besser, seine Frau Tamara bringt ihn. Typisch für Eugenio Rosi, diesen kleinen Winzer aus Volano, einem Dorf in der Nähe von Rovereto, Trentino. Wir finden Eugenio so gut, dass zwischen ihm und unserer Casa inzwischen eine Verbindung besteht, die weit über das Geschäftliche hinaus geht. Seine Weine gehörten zu den ersten, die wir im Ladinia auf die Weinkarte geschrieben haben, wo sie übrigens immer noch zu finden sind. Genauso wie auf der Weinkarte des La Perla. Ich habe Eugenio persönlich kennengelernt, weil er eines Abends zusammen mit seinem Winzerkollegen Michele Loda ins Ladini gekommen ist, um seine Weine vorzustellen. Und ich kann sagen, dass Eugenio wirklich ein ganz besonderer Mensch ist. Er macht die Dinge ordentlich, aber auf seine Art und Weise, und seine Art und Weise ist traditionell, alt. Alt wie die Geschichte des Weins. Er liest die Trauben der einzelnen Rebsorten so spät wie möglich. Dann lässt er sie vor dem Pressen noch weiterreifen; sie trocknen auf eigenen Gestellen ein wenig ein, was dem Wein später den nötigen Biss und eine samtige Fülle verleiht. Ausgebaut werden die Weine dann ausschließlich im Holz, in großen Fässern aus slowenischer Eiche und teilweise auch in Kirschholzfässern, die Eugenio in einem Haus im alten Ortskern seines Dorfes lagert. Er mag alte Varietäten wie den Nosiola oder den Marzemino, und er lässt sich bei seiner Arbeit viel Zeit. Seine Weine tragen die Namen Esegesi, Poiema, Anisos. Ich habe ihn nie gefragt, ob er in der Schule Altgriechisch hatte, aber beim nächsten Treffen hole ich das garantiert nach.


Michele, Head Sommelier